Das EHI Retail Institute hat in der vergangenen Woche seine aktuelle Studie zu Inventurdifferenzen 2018 im deutschen Handel veröffentlicht. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Inventurdifferenzen prozentual auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr. Aufgrund der generellen Umsatzsteigerung im Handel nominal mit 4,1 Mrd. Euro jedoch etwas höher als im Vorjahr (2016: 4 Mrd.).

Dabei machen Verluste durch Diebstähle seitens der Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten und Servicekräfte nach wie vor den größten Anteil der Inventurdifferenzen aus. Er beträgt rund 3,5 Milliarden Euro. Dabei stehen unehrliche Kunden mit 2,28 Mrd. Euro auf Platz eins. Den zweiten Platz im Diebstahlranking nehmen die Mitarbeiter mit rund 850 Mio. Euro ein und Servicekräfte entwenden Waren im Wert von ca. 320 Mio. Euro. Allein der daraus resultierende volkswirtschaftliche Schaden durch Mehrwertsteuerausfälle beläuft sich auf rund 475 Mio. Euro im Jahr. Ein weiterer Posten der Inventurdifferenzen im Wert von etwa 660 Mio. Euro entsteht wegen organisatorischer Mängel wie etwa falschen Produktauszeichnungen.

Beim Thema Ladendiebstahl bleibt vor allem die Dunkelziffer nach wie vor hoch. Es wird von etwa 98 Prozent ausgegangene, weil insgesamt nur wenige Fälle zur Anzeige gebracht werden. Hinter jedem angezeigten Täter, bleiben laut EHI Studie rund 65 Ladendiebe unerkannt. Die Händler geben an, dass Diebstähle noch immer stark in organisierter Form durchgeführt werden. Die Täter gehen oft in Gruppen mit gezielter Aufgabenverteilung vor. Nach EHI-Schätzungen entfällt wertmäßig rund ein Viertel aller Ladendiebstähle auf Banden und organisierte Kriminalität.

Im Durchschnitt gibt der Handel 0,32 Prozent vom Umsatz für Präventionsmaßnahmen aus. Das sind etwa 1,35 Mrd. Euro – Tendenz steigend. Dabei haben abschreckende, für den Kunden sichtbare Maßnahmen wie Kameraüberwachung Priorität. Nach wie vor kommt aber auch der Schulung und Sensibilisierung von Personal eine Schlüsselrolle zu, um Ladendiebstahl zu minimieren.

An der aktuellen Untersuchung beteiligten sich 101 Unternehmen bzw. Vertriebsschienen mit insgesamt 20.396 Verkaufsstellen, die einen Gesamtumsatz von rund 84,2 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Die durchschnittliche Verkaufsfläche der beteiligten Geschäfte beträgt 1.310 qm.

Quelle: https://www.ehi.org/de/studien/inventurdifferenzen-2018