Auf Einladung des Handelsverbandes Hannover kam die urbanicom Studientagung Mitte Mai in die niedersächsische Landeshauptstadt und präsentierte sich auch in ihrem 41. Jahr als „think tank“ – als eine Runde interdisziplinärer Vordenker der Stadt- und Handelsentwicklung.

Mit einem Empfang bei Oberbürgermeister Stefan Schostok begann die Zusammenkunft. Es folgte eine Führung durch die Innenstadt mit ihren aktuellen Entwicklungsbereichen, wie dem Hohen Ufer, dem Marstall und dem Steintor. Vom „neuen Arbeiten“ in der Stadt machten sich die Teilnehmer am Abend im Coworking- und Makerspace HAFVEN ein Bild.

Auch am folgenden Konferenztag standen Coworking Spaces insbesondere in Kleinstädten im Mittelpunkt. Neue Formen des digitalen Arbeitens verringern Pendlerströme und bieten so auch den Händlern, Gastronomen und Dienstleistern vor Ort ganztägige Kundenpotenziale. Telearbeit und Homeoffice werden zunehmend von dezentralen Gemeinschaftsbüros abgelöst. Aus einer Outsorcing-Welle im IT-Bereich vor 10 bis 12 Jahren sind inzwischen innovative Hotspots entstanden, deren Potenziale immer mehr Firmen bewusst nutzen. Sie senden ihre Mitarbeiter und Teams für Projekte in die Spaces. Das motiviert die Teilnehmer und spart zumeist Kosten fürs Unternehmen, weil die Ausstattung der Coworking Areas genutzt werden kann.

Welche Chancen Kreative für die Belebung von Innenstädten bieten, zeigte Claudia Muntschick von Kreatives Sachsen anhand vieler Beispiele ihrer Heimat. Handwerk, Handel, Dienstleistungen, Kunst und Kultur, kreativ, neu und spannend, ziehen in Leerstände, nutzen Industriebrachen nach. „Kreative sind die Agenten des Wandels“ ergänzte Zukunftsforscher Andreas Reiter aus Wien, der zusammen mit Dr. Timo Munzinger vom Deutschen Städtetag die Vorträge der Tagung in gewohnter Weise buchstäblich von der Seite kommentierte.

Den Wandel zu nachhaltigen, multifunktionalen Gebäuden beschrieb Dr. Sebastiaan Gerards von der Aachener Landmarken AG am Beispiel einer profanierten Kirche, die in einen Co-Working Space mit Eventfläche umgewandelt wurde (siehe Foto). Auch ein ehemaliges Warenhaus in Aachen wurde durch Umnutzung wieder zu einem lebendigen Anziehungspunkt in der City.

Zum Abschluss der Tagung stellte Sven Altenburg den Verkehrswandel sowie die verkehrlichen Auswirkungen des Online-Handels dar. Eine stark steigende Anzahl von B2C-Sendungen muss auf den bestehenden Verkehrswegen bewältigt werden. Städte und Logistiker ringen um Restriktionen oder Innovationen. Und auch die Kostenbetrachtung spielt für die Versender zunehmend eine Rolle.