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Iran-Krieg: Konsumstimmung könnte sinken, Lieferketten bleiben intakt

Der Krieg im Iran könnte nach Einschätzung des Handelsverbandes Deutschland (HDE) die ohnehin schwächelnde Konsumstimmung weiter negativ beeinflussen.

„Der Ausbruch eines Krieges wird wohl kaum positive Auswirkungen auf die Stimmung der Verbraucher haben. Die Verunsicherung durch die internationalen Krisen und Konflikte steigt immer weiter. Das ist Gift für den Konsum“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Gleichzeitig hält der HDE die direkt spürbaren Auswirkungen des bewaffneten Konflikts in Nahost für zunächst überschaubar. „Aktuell sind die globalen Lieferketten des Einzelhandels nicht direkt betroffen. Ausnahmen können hier allenfalls Luftfrachtverkehre sein, die über das Drehkreuz in den Golfstaaten geleitet werden und nun neue Flugrouten nutzen müssen“, so Genth weiter. Die großen Reedereien haben ihre Routen bereits seit den Angriffen der mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Jahr 2023 angepasst und fahren bevorzugt um die Südspitze Afrikas. Daher ist davon auszugehen, dass die jüngst angekündigten Angriffe der Huthi den internationalen Seehandel nur bedingt beeinflussen werden. Zudem muss sich erst zeigen, inwiefern die Huthi-Rebellen im Jemen überhaupt in den Konflikt eingreifen und so unter Umständen den Schiffsverkehr in der Region beeinträchtigen. Da zudem erhebliche Mengen Erdöl und Gas aus der Region kommen, könnten hier allerdings die Preise für Diesel und Gas steigen, was sich mittelfristig auf die Kalkulation der Logistikpreise auswirken könnte.

Quelle: HDE

Weniger Falschgeld in Deutschland und Europa

Die Europäische Zentralbank und die Bundesbank haben für das vergangene Jahr eine rückläufige Falschgeldmenge gemeldet.

So wurden im gesamten Euro-Raum rund 444. 000 Falschnoten aus dem Verkehr gezogen – das sind rund 20 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Falschgeldaufkommen erreicht damit einen seiner Tiefststände seit Erfassung. Die Bundesbank gibt an, dass in Deutschland ebenfalls ein Rückgang zu verzeichnen war, hier immerhin um 6,1 Prozent auf knapp 68.000 falsche Euro-Banknoten. Insgesamt wurden damit in Deutschland gefälschte Banknoten im Wert von ca. vier Millionen Euro festgestellt, ein Rückgang um elf Prozent.

Trotz eines Rückgangs der Barzahlung werden in Deutschland noch immer knapp die Hälfte der geschätzt 20 Milliarden Zahlungen im Handel in bar getätigt. Damit bleibt die Barzahlung absehbar eine wichtige Transaktionsart. „Die Unternehmen des Handels schulen weiterhin das Kassenpersonal für die zuverlässige Erkennung von Falschgeld, oft auch unter Zuhilfenahme von entsprechenden Prüfgeräten. Nicht zuletzt deshalb ist es äußerst unwahrscheinlich, im Einzelhandel eine gefälschte Banknote als Wechselgeld zu bekommen“, so HDE-Experte Ulrich Binnebößel. Die Bundesbank hat errechnet, dass rein rechnerisch 2025 acht falsche Banknoten auf 10.000 Einwohner entfielen.

Quelle: HDE

ifo-Geschäftsklimaindex: Trübe Stimmung im Einzelhandel

Mit Blick auf die Entwicklung des ifo-Geschäftsklimaindex macht der Handelsverband Deutschland (HDE) auf die anhaltend angespannte Situation der Branche und den dringenden politischen Handlungsbedarf aufmerksam.

Im Einzelhandel bleibt die Stimmung nicht nur aufgrund einer vielfach schwachen Umsatzentwicklung, sondern vor allem wegen hoher Kosten eingetrübt. Der ifo-Geschäftsklimaindex für den Einzelhandel sinkt im Februar deutlich und liegt nun unter dem Vergleichsmonat des Vorjahres. Insbesondere die aktuelle Geschäftslage wird im Februar deutlich schlechter eingeschätzt, der Wert erreicht ein Fünfjahrestief.

„Die Stimmung im Einzelhandel hat sich spürbar eingetrübt. Und die Spielräume für den Konsum werden voraussichtlich auch im weiteren Jahresverlauf überschaubar bleiben“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Laut einer aktuellen HDE-Konjunkturumfrage unter knapp 600 Handelsunternehmen rechnen 49 Prozent der befragten Händlerinnen und Händler im Jahr 2026 mit Umsatzrückgängen. „Die Lage ist extrem angespannt und der versprochene Aufschwung nicht in Sicht. Was es jetzt braucht, sind Entlastungen für Unternehmen und Verbraucher“, fordert Genth. Die Bundesregierung müsse dringend Maßnahmen ergreifen, um die Binnenkonjunktur zu stützen.

Aus Sicht des HDE kommt es vor allem auf einen konsequenten und raschen Bürokratieabbau an. „Wichtig sind Entlastungen, die auch tatsächlich ankommen und spürbar sind“, so Genth weiter. Es gelte, die hohen Energiepreise durch eine Stromsteuersenkung für wirklich alle runterzubringen und bei den Sozialversicherungsbeiträgen eine dauerhafte 40-Prozent-Obergrenze festzulegen. „Zudem muss die Bundesregierung eine Einkommensteuerreform auf den Weg bringen, die für Spielräume beim Konsum sorgt“, so Genth. Auch der noch immer unfaire Wettbewerb mit Händlern und Plattformen aus Fernost dürfe nicht aus dem Blick geraten. „Das jüngst von der Europäischen Kommission gegen Shein eröffnete Verfahren ist ein ermutigendes Zeichen, kann aber nur der Anfang eines konsequenten europäischen Vorgehens gegen die massiven Wettbewerbsverzerrungen sein“, betont Genth.

Quelle: HDE

Verpackungsdurchführungsgesetz: HDE setzt sich für Eins-zu-eins-Umsetzung der nationalen Vorgaben ein

Nachdem das Bundeskabinett den Entwurf des Verpackungsdurchführungsgesetzes (VerpackDG) zur nationalen Anpassung an die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) beschlossen und geändert hat, setzt sich der Handelsverband Deutschland (HDE) weiter für eine Eins-zu-eins-Umsetzung der nationalen Vorgaben ein.

Positiv bewertet der HDE den Wegfall der geplanten Organisation für Präventionsmaßnahmen, der den Unternehmen eine weitere finanzielle und bürokratische Belastung erspart. Allerdings geht der Entwurf weiterhin in vielen Punkten über die europäischen Vorgaben hinaus.

„Das im Koalitionsvertrag festgehaltene Ziel der Bürokratievermeidung muss auch für das Verpackungsdurchführungsgesetz gelten und oberste Priorität haben. Dazu gehört unter anderem, dass Quotenvorgaben aus der PPWR national nicht übererfüllt werden sollten“, so Stefanie Stadie, HDE-Referentin Umweltpolitik. Das geplante Gold-Plating im Mehrweggetränkebereich mit einer Quotenvorgabe von 70 Prozent gehe hierbei deutlich über die Vorgaben von 10 Prozent ab 2030 und den Richtwert von 40 Prozent ab 2040 hinaus. Hierauf werde der HDE im anstehenden parlamentarischen Verfahren verstärkt hinweisen.

Der HDE setzt sich zudem für eine flexible Ausgestaltung der Optionen zur verpflichtenden Finanzierung von Vermeidungsmaßnahmen für Verpackungen ein. Im Gegensatz zur bürokratischen und teuren Organisation aus dem vormaligen Entwurf soll es jetzt möglich sein, Dritte zu beauftragen oder gemeinschaftlich tätig zu werden, um die Anforderungen zu erfüllen. „Sinnvoll wäre es, wenn diese Aufgaben auch durch Branchenverbände übernommen werden könnten. Das würde den Aufwand für die Mitgliedsunternehmen deutlich reduzieren“, so Stadie.

Insgesamt geht der Kabinettsentwurf aus Sicht des HDE in eine positive Richtung, die für die Handelsunternehmen weniger Bürokratie und finanzielle Belastungen bedeuten kann. „Das Ziel einer Eins-zu-eins-Umsetzung der europäischen Vorgaben ist aber nicht erreicht. Daher sind Nachbesserungen am Gesetz notwendig“, betont Stadie.

Quelle: HDE

Verfahren gegen Shein: HDE sieht in Initiative der Europäischen Kommission ein ermutigendes Zeichen

Das von der Europäischen Kommission gegen Shein eröffnete Verfahren bewertet der Handelsverband Deutschland (HDE) positiv.

Der HDE setzt sich seit Jahren für ein Ende der massiven Wettbewerbsverzerrung im Online-Handel ein und fordert ein konsequentes Vorgehen gegen Händler und Plattformen aus Drittstaaten, die in Europa Regelverstöße begehen.

„Dass die Europäische Kommission nun ein Verfahren gegen Shein eröffnet, ist ein ermutigendes Zeichen für alle Händlerinnen und Händler. Die Zeit der Worte muss vorbei sein, jetzt geht es um Taten“, so HDE-Präsident Alexander von Preen. Das jahrelange Zuschauen, wie Händler und Plattformen aus Fernost europäische Regeln serienweise mit Füßen treten, dürfe sich nicht fortsetzen. Dieser unfaire Wettbewerb ruiniere heimische Handels- und Produktionsunternehmen, die sich an Recht und Gesetz hielten und bei denen das auch streng kontrolliert werde. „Die Verstöße müssen spürbare Folgen haben“, fordert von Preen.

Wenn die Missstände nicht konsequent und glaubhaft abgeschafft werden, darf aus Sicht des HDE auch die Abschaltung einer Plattform kein Tabu sein und muss ins Auge gefasst werden. „Die jahrelange Hilflosigkeit und Untätigkeit von Politik und Behörden untergräbt bei vielen Händlern und Produzenten in Deutschland sowie in der EU mittlerweile das Vertrauen in den Rechtsstaat“, warnt von Preen. Jetzt brauche es sichtbare und klare Signale. „Wer hierzulande Waren verkauft, muss sich zwingend auch an die hiesigen Spielregeln bei Umwelt- und Verbraucherschutz sowie bei den steuerlichen Regeln halten“, so von Preen weiter.

Quelle: HDE

Reform der Einkommensteuer: HDE fordert wirksame Entlastungen

Die von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann angestoßene Diskussion über eine Reform der Einkommensteuer sieht der Handelsverband Deutschland (HDE) als wichtigen Impuls für die Entwicklung von Maßnahmen zur Stärkung der Kaufkraft in Deutschland. Linnemann hatte vorgeschlagen, die Einkommensgrenze, ab der bei der Einkommensteuer der Spitzensteuersatz greift, von derzeit 69.879 Euro auf 80.000 Euro zu erhöhen.

„Eine Reform der Einkommensteuer kann dazu beitragen, die Verbraucherinnen und Verbraucher zu entlasten und das Konsumklima anzukurbeln“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. In Deutschland zahlten heute viele qualifizierte Arbeitnehmer mit Berufserfahrung den Spitzensatz. Sie seien diejenigen, die mit Steuern und Sozialabgaben am stärksten belastet würden. „Hier muss man wie vorgeschlagen senken und nicht erhöhen. Das würde die Kaufkraft der breiten Mittelschicht stärken und hätte einen positiven Effekt auf Einzelhandel und Gesamtwirtschaft“, so Genth weiter.

Für den von der Bundesregierung angestrebten wirtschaftlichen Aufschwung braucht es laut HDE zügig wirksame Entlastungen. „Die Verbraucherstimmung in Deutschland kann sich nur dann nachhaltig erholen, wenn die Menschen eine echte Veränderung der eigenen Situation spüren und wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken“, so Genth. Die von Carsten Linnemann vorgeschlagene Anpassung der Einkommensgrenze für den Spitzensteuersatz sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und zeige, dass sich die Politik der Dringlichkeit eines umfassenden Entlastungspakets bewusst sei.

Quelle: HDE

HDE spricht sich klar gegen Abschaffung von Minijobs aus

Angesichts der aktuellen Debatte über eine Abschaffung oder Einschränkung von Minijobs betont der Handelsverband Deutschland (HDE) die Bedeutung der geringfügigen Beschäftigung für den Einzelhandel.

Der HDE hält die anlässlich eines Antrages des CDU-Arbeitnehmerflügels vor dem Bundesparteitag am Wochenende aufgekommene Diskussion für deplatziert und warnt davor, von ungelösten Problemen wie immer weiter ansteigenden Lohnnebenkosten abzulenken. Trotz der derzeit sehr herausfordernden wirtschaftlichen Lage im Einzelhandel beschäftigt die Branche weiter mehr als 3,1 Millionen Menschen in Deutschland. Rund 800.000 davon gehen einer geringfügigen Beschäftigung nach, sogenannten Minijobs.

„Minijobs werden von den Beschäftigten in der Praxis erfahrungsgemäß aus unterschiedlichen Gründen sehr bewusst angefragt, da diese Beschäftigungsform in besonderem Maße mit den individuellen Lebensumständen vieler Menschen vereinbar ist“, so Steven Haarke, HDE-Geschäftsführer für Arbeit, Bildung, Sozial- und Tarifpolitik. Einige Menschen hätten aufgrund ihrer persönlichen Lebensumstände schlicht keine Möglichkeit, ein höheres Arbeitszeitvolumen zu realisieren. Andere locke vor allem der optimierte Nettolohn im Minijob („brutto für netto“), weil beispielsweise bereits ein hohes Haupt- oder Familieneinkommen zur Verfügung stehe. „Wegen ihrer Flexibilität sind Minijobs bei Beschäftigten und Arbeitgebern sehr beliebt, gerade auch in konjunkturell schwierigen Zeiten“, so Haarke weiter. Die vom CDU-Arbeitnehmerflügel angestoßene Debatte über eine Abschaffung oder Einschränkung von Minijobs verkenne die Bedeutung geringfügiger Beschäftigung für den Einzelhandel. „Die Diskussion soll offenbar von Problemen ablenken, die bis heute ungelöst sind, wie etwa den immer weiter steigenden Lohnnebenkosten“, so Haarke weiter.

Die im aktuellen Antrag des CDU-Arbeitnehmerflügels vorgesehene grundsätzliche Beitragspflicht auch für Kleinstjobs würde laut HDE die Nettoentgelte der ehemaligen Minijobber schlagartig spürbar verringern und damit die Attraktivität dieser Tätigkeiten reduzieren. Gleichzeitig wären die dadurch erworbenen Ansprüche dieser Menschen in der Renten- und Arbeitslosenversicherung aufgrund des geringen Stundenumfangs auch nur minimal. „Der aktuelle Antrag geht also ins Leere und ist daher überhaupt nicht zielführend“, so Haarke. Erschwerend komme hinzu, dass dadurch erhebliche zusätzliche Bürokratie für die Sozialversicherungsträger entstehen würde. Für Arbeitgeber seien Minijobs als Flexibilisierungsinstrument enorm wichtig, um branchenspezifische Stoßzeiten bedienen zu können. „Ohne Minijobs ließe sich der gewohnte, flächendeckende Service im Handel zu allen Öffnungszeiten kaum sicherstellen“, so Haarke weiter. Um Missbrauch im Minijob-System vorzubeugen, würden Arbeitgeber bereits heute strengen, bußgeldbewehrten Aufzeichnungspflichten unterliegen. „Eine Reform würde weder den Beschäftigten noch den Unternehmen oder der Verwaltung einen echten Mehrwert bieten“, so Haarke.

Quelle: HDE

Keine Patentlösung für Wohnungsbaukrise: Wohnen über Lebensmitteleinzelhandel nicht flächendeckend möglich

Mit Blick auf die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt warnt der Handelsverband Deutschland (HDE) davor, im Wohnen über dem Lebensmitteleinzelhandel eine flächendeckende Lösung für die Wohnungsbaukrise zu sehen.

Die meisten Handelsstandorte seien nicht für die Umwandlung in Mixed-Used-Immobilien aus Einzelhandel und Wohnen geeignet. Das Wohnen über dem Lebensmitteleinzelhandel wird daher laut HDE auch in Zukunft nur eine Nische bleiben und den Wohnraumbedarf nicht decken können.

„Wer glaubt, die Wohnungsbaukrise allein durch das Überbauen der Gebäude des Lebensmittelhandels lösen zu können, wird in der Praxis scheitern. Die meisten bestehenden Gebäude sind statisch überhaupt nicht dafür ausgelegt“, so Michael Reink, HDE-Bereichsleiter Standort- und Verkehrspolitik. In erster Linie seien die Gebäude zur Schaffung zeitgemäßer Handelsstandorte mit entsprechender Verkaufsflächengröße und Filiallogistik errichtet worden. „An Mixed-Use-Immobilien bestehen neben speziellen baulichen Anforderungen auch vielfältige wirtschaftliche Anforderungen“, so Reink weiter. Diese Immobilien kosteten in der Regel das Fünf- bis Zehnfache einer klassischen Handelsimmobilie und seien in der Planung, im Bau und im Betrieb erheblich aufwendiger. Zu den Herausforderungen einer Mischung von Einzelhandel und Wohnen gehörten der Schallschutz (beispielsweise aufgrund von Klimaanlagen, Müllpressen, Anlieferung, Lautsprecherdurchsagen, Einkaufswagen, Kundenverkehr), Geruchsemissionen etwa durch Lüftungsgeräte und Fettabscheider sowie Lichtemissionen durch Beleuchtung der Wohnungen im Zuge des Kunden- und Lieferverkehrs. „Daher wird das Wohnen über dem Lebensmitteleinzelhandel immer eine Nische bleiben“, betont Reink.

Zwar plant, baut und betreibt der Lebensmitteleinzelhandel seit Jahren derartige Mixed-Use-Immobilien. „Diese Spezialimmobilien funktionieren allerdings nur an ausgewählten Standorten und sind in keiner Weise geeignet, den Wohnungsfehlbestand abzumildern“, so Reink.

Quelle: HDE

Milchgipfel im Bundeslandwirtschaftsministerium – Handelsverbände: Landwirte durch Risikomanagement stärken

Mit Blick auf den heutigen Milchgipfel im Bundeslandwirtschaftsministerium machen der Handelsverband Deutschland (HDE) und der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) deutlich, dass der Schlüssel zur Stärkung der Landwirte im aktiven Management der weltweiten Marktschwankungen liegt. Landwirte sollten sich durch Vorsorgemechanismen wie einer Risikoausgleichsrücklage besser für Abschwungphasen wappnen. Die Erlöse bei frischen Lebensmitteln wie Milchprodukten sind durch volatile Weltmarktpreise geprägt. Rund 50 Prozent der deutschen Rohmilch werden von den Molkereien im Export vermarktet. In den Regalen des Handels landet hingegen nur ein Bruchteil der Rohmilch.

„Gemeinsam wurde heute festgestellt, dass die wesentliche Ursache für den aktuellen Preisverfall in den weltweiten Überkapazitäten bei Milch zu finden ist. Wirtschaft und Politik müssen deshalb verstärkt Wege des Risikomanagements in den Blick nehmen. Die Landwirtschaft kann nur gestärkt werden, wenn wiederkehrende weltweite Marktschwankungen durch strategische Vorsorge abgefedert werden. Die heute diskutierten Ansätze zur Rücklagenbildung sind erste wichtige Schritte.“, erklärt BVLH-Präsident Björn Fromm.

Zugleich verweist Fromm darauf, dass der Lebensmitteleinzelhandel bereits im September des vergangenen Jahres vor der aktuellen Entwicklung gewarnt habe. „Die jetzige Situation zeigt, wie wichtig ein vorausschauendes Marktmanagement und Risikovorsorgeinstrumente sind“, so Fromm.

Auch zu Beginn des Jahres 2026 liegt das Milchaufkommen weiterhin deutlich über dem Vorjahresniveau (+5,9 Prozent). Daher sind die Preise zuletzt weiter zurückgegangen, was Marktbeobachter als üblicher Folge eines Überangebots am Markt betrachten. Sobald Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht kommen, erwartet das ife Kiel eine Stabilisierung, gefolgt von mittelfristigen Aufwärtstendenzen, sodass die Preise voraussichtlich wieder steigen werden.

„Der Handel versteht sich als verlässlicher Partner der Landwirte und wir nehmen die aktuelle Situation sehr ernst. Zugleich stehen die Unternehmen des Lebensmittelhandels in einem intensiven Wettbewerb zueinander, nicht nur um Preise, aber sie haben natürlich eine erhebliche wettbewerbliche Bedeutung“, betont HDE-Vizepräsident Dr. Sven Spork. „Dieser intensive Wettbewerb im Handel befördert die Balance zwischen angemessenen und bezahlbaren Preisen sowie hohen Qualitäten für die Verbraucher und gleichzeitig dem Streben nach auskömmlichen Preisen für Erzeuger.“

Die Preisbildung bei Milch erfolgt entlang der gesamten Lieferkette und wird maßgeblich durch die Verarbeitung in Molkereien sowie den Export bestimmt. „Der Handel ist hier der falsche Hebel. Direkte Vertragsverhältnisse zwischen Handelsunternehmen und landwirtschaftlichen Betrieben sind eher selten“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

„Verhandlungspartner des Handels sind in der Regel nicht einzelne Landwirte, sondern stark konzentrierte Agrargroßunternehmungen. Entsprechend gering ist der Einfluss des Handels auf die Preissetzung bei frischen Lebensmitteln wie Milch.“ Landwirtschaftliche Erzeugnisse würden von den Höfen üblicherweise zunächst an Zwischenstufen wie Molkereien geliefert. Diese exportieren 49 Prozent der in Deutschland produzierten Milchmenge. Angebot und Nachfrage auf den Weltmärkten spielten eine zentrale Rolle. „Nur rund zwölf Prozent der Milchmenge landen als Trinkmilch in den Regalen des Handels“, so Genth weiter.

Eine Stärkung der Landwirtschaft lässt sich aus Sicht von HDE und BVLH nur durch wirkungsvolle und nachhaltige politische Rahmenbedingungen erreichen. Kostentreiber wie Bürokratie, Umweltauflagen sowie fehlende Planungssicherheit auf der Ertragsseite stellen Landwirte vor große Herausforderungen, die der Handel nicht lösen kann.

Quelle: HDE

Digitaler Euro: Handel fordert echte Alternative zu Kartensystemen

Der Handelsverband Deutschland (HDE) unterstützt die Einführung des digitalen Euro grundsätzlich, warnt jedoch vor dem Scheitern des Projekts durch eine zu komplexe und realitätsferne Ausgestaltung.

„Der digitale Euro hat das Potenzial, die Abhängigkeit von privaten internationalen Zahlungssystemen zu durchbrechen“, so Ulrich Binnebößel, HDE-Abteilungsleiter Zahlungsverkehr und Logistik. „Die aktuellen Planungen könnten diese Chance allerdings verspielen. Das Projekt droht, in eine Komplexitätsfalle zu geraten“, warnt Binnebößel.

Der deutsche Einzelhandel wickelt jährlich rund 20 Milliarden Transaktionen ab und sieht sich mit stetig steigenden Kosten durch die Marktdominanz amerikanischer Zahlungssysteme konfrontiert. Besonders im E-Commerce und bei grenzüberschreitenden Zahlungen sind europäische Alternativen kaum vorhanden. Der HDE sieht im digitalen Euro die Chance auf ein neutrales, staatlich garantiertes Zahlungsmittel – vergleichbar mit Bargeld im analogen Raum.

Scharfe Kritik übt der HDE jedoch am geplanten Kompensationsmodell, mit dem die Aufwände der Banken durch den Handel ausgeglichen werden sollen. „Das vorgesehene Modell bedeutet praktisch eine Übernahme des ineffizienten Interchange-Modells aus dem Kreditkartengeschäft. Wenn die Kosten der Wallet-Anbieter von den Händlern getragen werden sollen, führt das nicht zu einer effizienten Abwicklung von Transaktionen“, so Binnebößel. Statt einer Orientierung an marktüblichen Preisen der etablierten Verfahren fordert der HDE konkret transaktionsbasierte Gebühren von maximal vier Cent statt prozentualer Entgelte. „Der öffentliche digitale Euro unterscheidet sich von privaten Zahlungsmethoden dadurch, dass er mit einer obligatorischen Akzeptanz einhergeht und für die ausstellenden Banken kein Kreditrisiko besteht. Das muss sich auch in den Kosten widerspiegeln“, fordert Binnebößel.

Zudem müssten praxisgerechte Haltegrenzen für Händler eingeführt werden, um Buchungskosten zu vermeiden und B2B-Zahlungen zu ermöglichen. Eine generelle Akzeptanzpflicht lehnt der HDE daher entschieden ab, solange die Kostenstruktur nicht effizient gestaltet ist.

„Bei richtiger Ausgestaltung könnte der digitale Euro zu einem Erfolgsmodell werden, das Effizienz und Innovation fördert“, betont Binnebößel. „Europa kann es sich nicht leisten, diese Chance zu verspielen. Die Entscheidungen der kommenden Monate werden darüber bestimmen, ob der digitale Euro seine transformative Kraft entfalten kann oder als kostenintensives Zwangssystem scheitert“, so Binnebößel.

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